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Samstag, 15. Dezember 2018
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Wer übernimmt den Mittagsklub von Hanny Kofmel?
Oliver Menge
(Foto: Oliver Menge)


Hanny Kofmel ist seit 35 Jahren für den Mittagsklub in Bettlach verantwortlich. Zwei Mal im Monat kocht sie für Senioren. Aus gesundheitlichen Gründen sucht sie auf Herbst eine Nachfolge – doch bisher fand sich noch niemand.

Fürs Foto zu posieren, dafür hat sie keine Zeit. Das liegt ihr auch nicht. Hanny Kofmel ist viel lieber am Wärche, wie sie das ihr ganzes Leben lang gemacht hat. Die 75-Jährige steht in der kleinen Küche des reformierten Kirchgemeindehaus Bettlach neben der Markuskirche und schöpft Mittagessen. Heute sind 58 Seniorinnen und Senioren gekommen, etwas weniger als sonst. Sie freuen sich auf einen Teller mit selber eingelegtem Suurchabis, Rindfleisch, Speck, Wienerli und Salzhärdöpfu. Zuvor gab es Suppe, danach gibt’s noch Dessert. Das Ganze zum Selbstkostenpreis von 10 Franken, Getränke und Kaffee inklusive.

Gekocht hat Hanny Kofmel, zwei Helferinnen standen ihr dabei zur Seite. Drei Damen arbeiten heute im Service, eine Helferin ist für die Kasse beim Eingang verantwortlich, ein Mann macht den Abwasch. Insgesamt neun freiwillige Helferinnen und Helfer sind da und sorgen dafür, dass die Gäste sich wohlfühlen.

Die Verantwortung, die liegt bei Hanny Kofmel, und das schon seit 35 Jahren. Sie entscheidet, was sie kochen will, erledigt den Einkauf und kocht auch selber – zwei Mal im Monat, jeden ersten und dritten Mittwoch. Hausmannskost, wie sie es bei ihrer Mutter gelernt habe.

Nachfolge gesucht

Aber jetzt ist bald Schluss damit. Hanny Kofmel verkündete ihren Gästen und den freiwilligen Helferinnen und Helfern schon beim Weihnachtsessen letzten Dezember die bittere Botschaft. Im September höre sie auf. Ihre Gesundheit lasse nach und sie könne die Belastung nicht mehr so einfach wegstecken. «Was soll ich tun, wenn ich nach einem Mittwoch, an dem ich koche, dann den ganzen darauffolgenden Tag vor lauter Schmerzen nur noch rumliegen kann?» Rücken und Beine wollen einfach nicht mehr mitmachen. Denn schliesslich gehe es nicht nur ums Kochen, sondern auch um den ganzen Einkauf.

Seit ihrer Ankündigung ist sie auf der Suche nach einer Nachfolgerin, einem Nachfolger. Und sie kriegt lauter Absagen. «Niemand will die Verantwortung übernehmen oder sich gar verpflichten.» Das Ganze basiere auf Freiwilligkeit. Und es sei heutzutage halt schon sehr schwierig, da noch Leute zu finden. Helfen ja, aber Verantwortung übernehmen: lieber nicht.

Sich auf lange Frist verpflichten: lieber auch nicht. Sie habe alle Kochklubs der Region abgeklappert, habe ihren Bruder Heinz König eingespannt, der lange Zeit Wirtepräsident Bettlachs und im Restaurant Bahnhof tätig war, jetzt aber auch pensioniert sei, damit er ihr bei der Suche helfe. Aber bisher ohne Erfolg. Falls man niemanden findet – ein Szenario, das auch der Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut, Sorge bereitet – komme man wahrscheinlich nicht darum herum, jemanden für Geld zu engagieren.

Dann stelle sich die Frage, wer das bezahlen solle. Denn den Senioren könne man nicht noch mehr Geld verlangen, weil «dann können sie so oder so gleich ins Restaurant gehen.» «Junge wollen einfach Geld verdienen und Ältere wollen sich nach der Pensionierung nicht mehr verpflichten.» Also muss man jemanden finden, der in die Fussstapfen von Hanny Kofmel tritt, oder dann ist ab September Schluss mit Mittagsklubs.

In den Achtzigern gegründet

Eingeführt wurde der Mittagsklub 1982 von der damaligen Pfarrerin Monica Probst. Sie hatte etwas Ähnliches in Basel gesehen und war mit der Idee in Bettlach auf gute Resonanz gestossen. Hanny Kofmel, die damals im Baumgarten in der Küche tätig war, engagierte sich von Beginn weg als Freiwillige. «Ich war jeweils von 6 Uhr bis 8 Uhr im Baumgarten, dann kam ich hierher und kochte für den Mittagsklub. Die fehlenden Stunden habe ich dann jeweils in den 14 Tagen zwischen den Mittagsklubs im Baumgarten mit einer längeren Arbeitsdauer ausgeglichen.

Getragen wurde der Mittagsklub sowohl von der katholischen wie der reformierten Kirchgemeinde, und auch die Einwohnergemeinde unterstützte den Mittagsklub. «Von Anfang an war die Ökumene wichtig», erzählt Elsbeth Köhli, die Mutter des langjährigen Verwalters der reformierten Kirchgemeinde Grenchen Bettlach, Ruedi Köhli. Die 89-Jährige ist seit 35 Jahren regelmässig beim Mittagsklub anzutreffen. «Hier spielt es keine Rolle, welcher Kirche man angehört. Wir haben auch solche, die zu keiner Kirche mehr gehören.»

Aber hier könne man Bekannte treffen, Freundschaften pflegen und sich austauschen. Sie sitzt rechts neben der 92-jährigen Hanny Berthoud, mit der sie gerne über aktuelle Politik diskutiert. Beide sind sich zum Beispiel einig, dass die No-Billag-Initiative abgelehnt werden muss. Der Platz rechts neben Elsbeth Köhli ist leer. Die Dame sei kürzlich verstorben.

Sie sei ein Gewohnheitsmensch, sagt Elsbeth Köhli, folglich sitze sie immer am selben Platz. Hanny Kofmel relativiert später, Frau Köhli sei da keine Ausnahme. All ihre Gäste sässen immer am selben Tisch, auf demselben Platz.

Platz für mehr Senioren

Zwischen 90 und 100 Personen fasst der Saal des Kirchgemeindehauses, und es habe Zeiten gegeben, da habe sie für über 80 Seniorinnen und Senioren gekocht, sagt Hanny Kofmel. In den letzten zwei, drei Jahren habe es aber immer sechs oder sieben Gäste gegeben, die ins Altersheim mussten oder starben. «Darum sind jetzt eigentlich weniger Leute da, als wir Platz hätten. Aber wir hatten schon immer solche Schwankungen. Manchmal fallen plötzlich viele Pensionierte weg, und den ersten Schritt zu machen, ist für die, die erst jetzt in das Alter kommen, manchmal schwierig.»

Das Angebot ist da: In Grenchen führt die reformierte Kirchgemeinde jeden zweiten Mittwoch im Zwinglihaus ein Mittagessen für Senioren durch, die katholische Kirche eines jeden 3. Donnerstag im Monat im Eusebiushof.

Die Kaffees sind verteilt, die Desserts aufgegessen. Hanny Kofmel ergreift das Mikrofon: «Nächstes Mal möchte ich Zunge an einer Kapernsauce machen. Als Alternative gäbe es ein Schnitzelchen. Wer gerne die Alternative möchte, der soll jetzt die Hand heben.». Hanny Kofmel notiert sich die Anzahl der «Zungenverweigerer» und setzt sich selber hin, um etwas zu essen.

(Quelle: Grenchner Tagblatt, 07.02.2018)
07.02.2018 | Wyss Sophie
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